Bodenrichtwerte direkt in Google Sheets
Anleitung10. September 2026

Bodenrichtwerte direkt in Google Sheets

Adressen links, Bodenrichtwerte rechts — mit einer Formel, ohne Nachschlagen. Und mit dem stillen Kontingent-Verbrauch, den dabei kaum jemand auf dem Schirm hat.

Vierzig Adressen in Spalte A. Daneben eine leere Spalte, in die der Bodenrichtwert soll. Wer das von Hand macht, öffnet vierzig Mal ein Kartenportal, klickt sich vierzig Mal durch eine Zonenkarte und tippt vierzig Mal eine Zahl ab. Das ist ein halber Arbeitstag — und am Ende weiß niemand mehr, welcher Wert aus welchem Jahr stammt.

Google Sheets kann das selbst erledigen. Nicht über ein Add-on und nicht über ein Skript, sondern über eine Formel, die in jeder Tabelle schon eingebaut ist: IMPORTXML. Du trägst die Adresse ein, in der Nachbarzelle steht der Wert.

Der Teil, den die Anleitungen im Netz gern weglassen, kommt weiter unten: diese Formeln laufen von allein weiter, auch wenn du längst etwas anderes machst. Wer das nicht weiß, wundert sich irgendwann, warum die Spalte plötzlich leer bleibt.

Was sich damit ändert

Die Spalte ist keine Bequemlichkeit, sie verändert die Reihenfolge deiner Arbeit. Drei Situationen, in denen das spürbar wird:

Die Objektliste vor dem Termin. Zwölf Adressen aus dem Portal exportiert, Spalte einfügen, Formel runterziehen — nach dreißig Sekunden weißt du, welche Lagen überhaupt in Frage kommen. Vorher war das der Punkt, an dem man die Recherche auf „mache ich später" verschoben hat.

Der Quartalsvergleich. Eine Liste mit den Straßen, in denen du regelmäßig verkaufst, daneben Wert und Stichtag. Einmal im Jahr aktualisierst du sie und siehst auf einen Blick, wo sich etwas bewegt hat.

Das Exposé mit Zahl statt Gefühl. Eine Tabelle, aus der die Werte in dein Exposé-Dokument fließen — mit Stichtag und dem Gutachterausschuss, der ihn festgelegt hat. Das ist der Unterschied zwischen „die Lage ist gefragt" und einer Angabe, hinter der du auch im Gespräch stehen kannst.

Einordnung: Was die Spalte nicht ist: ein Preis. Der Bodenrichtwert ist ein amtlicher Orientierungswert für den unbebauten Boden — kein Verkehrswert, kein Verkaufspreis und keine Rechts- oder Steuerberatung. Zuschnitt, Bebauung und Zustand stehen in keiner Tabelle. Die Spalte nimmt dir das Nachschlagen ab, nicht die Einschätzung.

Die Formel

Du brauchst dafür einen Zugriffs-Schlüssel aus deinem Dashboard — im Dashboard heißt er „API-Key". Der sagt der Tabelle, in wessen Namen sie fragen darf.

Schlüssel in eine eigene Zelle

Leg ihn in B1 ab. Nur dort, nicht in jede Formel. So tauschst du ihn später an einer einzigen Stelle aus.

Adressen in Spalte A, Formel in C2

=IFERROR(IMPORTXML("https://api.bodenrichtwert.ai/api/bodenrichtwert?format=xml&nutzungsart=W&token=" & $B$1 & "&address=" & ENCODEURL(A2); "//bodenrichtwert[1]/brw_euro_pro_m2"); "kein Wert")

In der Zelle steht danach nur die Zahl. nutzungsart=W steht für Wohnbauflächen — für Gewerbe nimmst du G. Die [1] am Ende ist kein Zierrat: an manchen Adressen grenzen zwei Zonen aneinander, und ohne sie schreibt Sheets beide Werte untereinander — mitten in deine nächste Zeile.

Nach unten ziehen

C2 anklicken, unten rechts anfassen, über alle Zeilen ziehen. Das war es.

Die Klick-für-Klick-Fassung samt Diagnose-Formeln und weiteren Spalten wie Stichtag oder Gemeinde steht im Google-Sheets-Rezept.

Das Kontingent, das niemand im Blick hat

Jetzt der Teil, der diesen Post rechtfertigt.

Google Sheets aktualisiert diese Formeln selbstständig. Etwa stündlich, außerdem jedes Mal, wenn jemand die Tabelle öffnet. Das ist bei Wechselkursen sinnvoll — bei Bodenrichtwerten ist es das genaue Gegenteil von sinnvoll, denn die ändern sich nur zum Stichtag: mindestens alle zwei Jahre, in vielen Bundesländern jährlich.

Jede dieser Aktualisierungen ist eine vollwertige Abfrage und wird von deinem Kontingent abgezogen. Auch dann, wenn dieselbe Zahl herauskommt wie eine Stunde vorher.

Was das im Starter-Paket mit 50 Abfragen im Monat bedeutet:

Abfragen (kumuliert)
20 Adressen, Formel einmal eingefügt20
Tabelle einmal geöffnet (alle 20 Zellen laden neu)40
Tabelle ein zweites Mal geöffnet50 erreicht — Rest der Spalte bleibt leer

Kein Overage, keine Zusatzkosten: Pläne haben einen harten Monats-Cap ohne Überraschungsrechnung. Ist das Kontingent aufgebraucht, bleiben die restlichen Zellen einfach leer, bis es zum nächsten Abrechnungsstichtag zurückgesetzt wird. Und wer neben dem Wert auch Stichtag und Gemeinde in eigene Spalten holt, erreicht diesen Punkt noch schneller, weil jede Spalte eine eigene Abfrage ist.

Zwei Klicks, die das Problem lösen

Sobald die Spalte gefüllt ist, machst du aus den Formeln feste Zahlen:

  1. Spalte markieren und kopieren
  2. Bearbeiten → Inhalte einfügen → Nur Werte einfügen

Danach steht der Wert dauerhaft in der Tabelle und wird nie wieder nachgeladen. Das ist keine Notlösung, sondern bei Bodenrichtwerten der Normalfall — du frierst einen Wert ein, der sich ohnehin erst zum nächsten Stichtag ändert. Der Stichtag steht mit in der Tabelle, du siehst also jederzeit, wie alt deine Zahlen sind.

Nebeneffekt: Erst danach kannst du die Tabelle bedenkenlos weitergeben. Solange die Formeln drinstehen, steht dein Zugriffs-Schlüssel darin — sichtbar für jeden, der das Dokument öffnen darf, auch mit reinem Leserecht. Vor dem Teilen also: Werte einfrieren, Zelle B1 leeren.

Wann die Tabelle das falsche Werkzeug ist

Ehrlich gesagt: nicht in jedem Fall lohnt sich der Weg über Sheets.

  • Bei zwei, drei Adressen ist die Formel Overkill. Frag deine KI-Assistenz — ChatGPT und Claude beantworten das im Gespräch, ohne Tabelle.
  • Bei Listen, die ständig wachsen, willst du keine Formel, die bei jedem Öffnen neu lädt, sondern einen Ablauf, der neue Zeilen einmalig befüllt. Dafür gibt es die Rezepte für n8n und Zapier oder Make.
  • Bei ein paar hundert Adressen am Stück ist die Tabelle nicht das richtige Gefäß — Python arbeitet die Liste in einem Durchlauf ab.

Sheets ist stark für den Fall dazwischen: eine überschaubare Liste, die du einmal befüllst und dann so lässt.

Was du wissen solltest

Für Schleswig-Holstein und Sachsen stehen keine Werte zur Verfügung — dort fehlt die schriftliche Einwilligung der Gutachterausschüsse zur Weiterverarbeitung. Bayern läuft über ein eigenes Landesportal (BORIS Bayern) und ist über unseren Zugangsweg nicht adressierbar. In der Tabelle bleibt die Zelle bei diesen Adressen leer.

Der Zahlenwert selbst stammt unverändert von den Gutachterausschüssen für Grundstückswerte — wir normalisieren nur Format und Koordinaten, nicht die Zahl — und trägt seinen Stichtag mit. Wenn du sie weitergibst — im Exposé, im Gutachten, in der Beratung — gehört die Quellenangabe dazu; sie steht in jeder Antwort mit drin und lässt sich als eigene Spalte in die Tabelle holen.


Der Zugriffs-Schlüssel liegt nach dem Anlegen eines Kontos im Dashboard bereit, die erste Spalte ist in zwei Minuten gefüllt. Kostenlos ausprobieren →